Claire (1903) - Überlieferung und Neuedition
Überlieferungssituation des Romans
Der Roman Claire von Hanns Fuchs erschien 1903 im Berliner Barsdorf-Verlag. Die Überlieferung des Textes ist heute als schwierig einzustufen. Nachweislich wurde die Barsdorf-Ausgabe im Jahr 1904 verboten und eingezogen. Infolge dieses Verbots sind nur noch sehr wenige Exemplare erhalten geblieben, die sich überwiegend in Bibliotheken oder privaten Sammlungen befinden.
In der Forschung und im bibliographischen Nachweis bestehen zudem Unsicherheiten hinsichtlich früherer Ausgaben. Eine gelegentlich genannte Zürcher Ausgabe im Verlag Caesar Schmidt (um 1901) ist bislang nicht durch belastbare Primärquellen belegt. Ob es sich hierbei um eine tatsächlich erschienene Ausgabe oder um eine bibliographische Fehlzuschreibung handelt, ist derzeit ungeklärt.
Der Quellenstatus von Claire
Der Roman liegt ausschließlich in zeitgenössischen Druckfassungen vor. Eine moderne Edition, eine kommentierte Ausgabe oder eine verlässliche textkritische Aufbereitung existieren bislang nicht. Auch eine allgemein zugängliche Transkription des Frakturtexts fehlt.
Der Text ist in Fraktur gedruckt, umfasst 219 Seiten und gliedert sich in vier Bücher. Er besteht vollständig aus Tagebucheinträgen, Briefen und Gedichten; eine auktoriale Erzählinstanz fehlt. Diese besondere Textstruktur stellt hohe Anforderungen an eine editorische Erschließung, da Textstimmen, Zeitverläufe und Perspektiven ausschließlich aus dem Dokumentencharakter heraus rekonstruiert werden müssen.
Das Originalexemplar
Grundlage der geplanten Neuedition ist ein erhaltenes Originalexemplar der Barsdorf-Ausgabe von 1903, das sich in Privatbesitz befindet. Dieses Exemplar bildet die maßgebliche Referenz für die textliche Erfassung, Überprüfung und editorische Entscheidung.
Der Erhaltungszustand erlaubt eine vollständige und zuverlässige Transkription des Romans. Paratextuelle Elemente wie Einband, Titelseite, Motto, Untertitel sowie typographische Besonderheiten werden dabei ausdrücklich berücksichtigt.
Abbildungen des erhaltenen Originalexemplars finden sich auf der Seite „Claire (1903) – Der Roman“.
Ziel und Charakter der Neuedition
Ziel der Neuedition ist es, Claire erstmals wieder in einer verlässlichen, lesbaren und zugleich textnahen Form zugänglich zu machen. Dabei wird der historische Text nicht modernisiert oder inhaltlich angepasst, sondern in seiner Eigenart bewahrt und transparent erschlossen.
Die Neuedition ist als zweibändiges Projekt konzipiert:
- Band 1 enthält den transkribierten Romantext.
- Band 2 bietet Einordnung, Analyse und autorbezogene Forschung.
Aktueller Stand
Die Neuedition von Claire befindet sich derzeit in Vorbereitung. Ziel ist es, den Roman aus seinem historischen Kontext heraus verständlich zu machen, ohne ihn auf zeitgenössische Deutungsmuster oder vereinfachende Zuschreibungen zu reduzieren.
Mit der geplanten Veröffentlichung soll Claire erstmals seit über einem Jahrhundert wieder als literarischer Text zugänglich werden, der Fragen nach Wahrheit, Liebe, Identität und gesellschaftlichen Grenzen in einer Weise verhandelt, die bis heute von bemerkenswerter Aktualität ist.