Hanns Fuchs

Hanns Fuchs (geb. 1. Oktober 1881 in Stadthagen; für tot erklärt 1930) gehört zu den literarisch wie kulturgeschichtlich bemerkenswerten, heute jedoch weitgehend vergessenen Autoren der frühen Moderne. Über Leben und Werk liegen bislang nur begrenzte und teils widersprüchliche Informationen vor; eine umfassende, quellengestützte Aufarbeitung steht noch aus.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat Fuchs als Schriftsteller hervor und veröffentlichte zwischen etwa 1901 und 1910 eine Vielzahl literarischer und essayistischer Texte. Sein Œuvre umfasst Romane, Novellen, Essays, dramatische Texte und Lyrik. Inhaltlich bewegen sich seine Arbeiten zwischen persönlicher Selbstreflexion, gesellschaftlicher Kritik und ästhetischen Grenzfragen; wiederkehrende Themen sind Identität, Moral, Wahrheit und Sexualität.

Internationale Bekanntheit erlangte Hanns Fuchs vor allem durch die 1903 erschienene Schrift
Richard Wagner und die Homosexualität, die bis heute rezipiert wird. Diese Veröffentlichung hat die Wahrnehmung seines Werks stark geprägt, zugleich jedoch zu einer Verengung seines literarischen Profils geführt. Seine erzählerischen Texte – darunter der Roman Claire – sind demgegenüber lange Zeit kaum beachtet worden.

Bereits um 1901 bekannte sich Hanns Fuchs öffentlich zu seiner Homosexualität. Er gehörte damit zu einer kleinen Gruppe von Autoren der wilhelminischen Epoche, die offen homosexuell lebten und publizierten. Fuchs war Gründungsmitglied der von Adolf Brand initiierten „
Gemeinschaft der Eigenen“ und veröffentlichte Beiträge in der Zeitschrift Der Eigene. Zeitgenössische Stimmen aus dem Umfeld der frühen Sexualwissenschaft würdigten sein Auftreten ausdrücklich.

Nach 1909 verlieren sich gesicherte Spuren seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Über seinen späteren Lebensweg ist nur wenig bekannt; Hanns Fuchs wurde 1930 offiziell für tot erklärt. Hinzu kommen bis heute bestehende Unsicherheiten bei der bibliographischen Zuordnung seiner Werke, da er unter verschiedenen Namensformen und Pseudonymen publizierte und in Bibliothekskatalogen teilweise mit anderen Autoren gleichen Namens vermischt wurde.

Vor diesem Hintergrund wird der Roman Claire heute neu gelesen und editorisch erschlossen. Die geplante Neuedition versteht sich als Versuch, einen lange übersehenen Text der frühen Moderne wieder zugänglich zu machen und zugleich einen Autor neu zu verorten, dessen literarisches Werk bislang nur fragmentarisch wahrgenommen wurde.