M.


Zu welchem Schriftsteller, welcher Schriftstellerin das Namenskürzel M. gehört, ist nicht bekannt.

Lebenskunst


   In der Schöpfung weiten Reichen
Ist nur Uebergang, nicht Sprung;
Alles sucht sich auszugleichen,
Alles sucht Vermittelung.

   In der Horen Wechseltanze
Fällt die Blüthe, reift die Frucht.
Thöricht, wer im Lebenskranze
Bang nach Imortellen sucht!

   Aber aus den Blumenketten,
Die der Lenz verschwend’risch reicht,
Eine Blüthe klüglich retten,
Eh’ der Spätherbst uns beschleicht;

   Aus dem Gluthstrom der Gefühle
Einen Funken, treu gehegt,
Aufbewahren für die Kühle,
Die die Welt stets mit sich trägt:

   Dahin streb’ in edler Weise!
Denn des Augenblickes Gunst
Nützen für die Lebensreise,
Das ist eine selt’ne Kunst!

Quelle: Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft, Band 2, 1868, Seite 759, Herausgeber: Ernst Dohm und Julius Rodenberg; Verlag von A. H. Payne, Leipzig

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