A. M.


Zu welchem Schriftsteller, welcher Schriftstellerin das Namenskürzel A. M. gehört, ist nicht bekannt.

Ein Waldidyll


Leuchtend geht der Tag zur Neige,
Schweigend ruht das Eichenthal,
Durch der Laubnacht dichte Zweige
Fällt des Lichtes letzter Strahl,
Vollerglüht verklärt sein Schimmer
Baum und Strauch mit ros'ger Gluth,
Während, matt erhellt vom Flimmer,
Tief im Grund der Weiher ruht.

Dämmrung naht: geheimes Leben,
Das des Tages Gluthen floh,
Regt sich rings, in Lüften schweben
Bunte Falter leicht und froh;
Irrer Sehnsucht weiche Laute,
Antwort weckend nah und weit,
Tönen schmelzend durch die traute,
Grüne Waldeseinsamkeit.

Hin zum Weiher führt die Hinde
Ihre Kinder scheu und sacht,
Sanft umspielt vom Abendwinde
Lauscht sie stumm und bangt und wacht:
Schreckt, erschauernd in den Blättern,
Sie des Windhauchs Flüstern auf?
Oder mahnt des Hifthorns Schmettern,
Daß die Kugel schon im Lauf?

Quelle: Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft, Band 2, 1868, Seite 283, Herausgeber: Ernst Dohm und Julius Rodenberg; Verlag von A. H. Payne, Leipzig

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